Edition Musica Poetica · Editionsrichtlinien
I. Die Wiedergabe der Quelle
- NOTEN, PAUSEN,
TAKT- & GLIEDERUNGSZEICHEN
Notenwerte, Pausenzeichen, Taktzeichen sowie andere Gliederungszeichen werden der Quelle entsprechend wiedergegeben. Der Taktstrich läuft jedoch grundsätzlich durch die zusammengehörigen Stimmen der Partitur und wird — etwa bei Mehrchörigkeit, bei Orchesterpartituren mit Bläser- und Streichergruppen usw. — von Gruppe zu Gruppe unterbrochen. Wiederholungs- und Schlußtaktstriche werden in eine heute übliche, einheitliche Form gebracht. - NOTENTEILUNG
Notenwerte, die durch einen Verlängerungspunkt über die Taktgrenze hinausragen, werden in moderner Weise geteilt und angebunden. - SCHLÜSSEL
Die Ausgaben der Editionsreihe «Musikdenkmäler der Frühen Neuzeit» geben die Notenschlüssel entsprechend der originalen Quelle wieder. In den Ausgaben der übrigen Reihen wird die Schlüsselung der Singstimmen den heute üblichen Gewohnheiten angepasst. - BÖGEN
Bögen werden, abgesehen von dem unter 2. erwähnten Falle der Anbindung über den Taktstrich hinaus, ausschließlich der Quelle entsprechend gesetzt. Ergänzungen aus Analogiegründen werden nicht vorgenommen. - VORTRAGSZEICHEN
Vortragszeichen (Tempoangaben, Stärkevorschriften, Artikulierungszeichen, usw.) werden der Quelle entsprechend wiedergegeben. Ergänzungen aus Analogiegründen werden nicht vorgenommen. - VERZIERUNGSZEICHEN
Alle Verzierungszeichen erscheinen in originaler Form, typographisch jedoch modernen Gewohnheiten angepaßt. Ergänzungen aus Analogiegründen werden nicht vorgenommen. - BALKENSETZUNG
Liegt die Quelle in Form eines Typendrucks vor, so werden die Balken nach heute üblichen Gewohnheiten gesetzt. In allen anderen Fällen wird die Balkensetzung der Quelle übernommen. - GÜLTIGKEIT DER
AKZIDENTIEN
Das Akzidens gilt nach heutiger Gewohnheit für den ganzen Takt. Akzidentienwiederholung im selben Takt findet auch dann nicht statt, wenn das Original sie vorschreibt. Die in der Notenschrift des 17. und 18. Jahrhunderts selbstverständliche und nicht ausdrücklich geforderte Auflösung von Akzidentien innerhalb eines Taktes wird in der Ausgabe durch ein stillschweigend zugesetztes Akzidens im Normalstich ausgedrückt. Gilt das originale Akzidens über den Taktstrich hinweg, so wird es in der Ausgabe nach dem Taktstrich stillschweigend wiederholt. - ZUSATZ- UND
WARNUNGSAKZIDENTIEN
Zusatzakzidentien, also vom Herausgeber hinzugefügte Akzidentien, die in der Quelle wirklich fehlen und nicht nur nach früherem Schreibgebrauch ausgelassen sind, werden im Kleinstich wiedergegeben. Warnungsakzidentien, also zur Erhöhung der Deutlichkeit gesetzte Akzidentien, die schon in der Quelle als solche auftauchen, werden in die Ausgabe übernommen und im Normalstich wiedergegeben. Vom Herausgeber hinzugefügte Warnungsakzidentien, die so sparsam wie möglich anzubringen sind, erscheinen im Kleinstich. - SCHREIBUNG DES
CONTINUO
Die Generalbaßziffern stehen stets unter dem Continuosystem. Sie werden der Quelle entsprechend, ohne Ergänzungen oder Zusätze wiedergegeben, sind jedoch in der Partitur genau auf die Zeitwerte zu verteilen, zu denen sie gehören. - PARTITURANORDNUNG
Die Stimmen und Stimmgruppen werden nach der Gewohnheit der neueren Partiturschrift angeordnet. Normalanordnung: bei Orchesterwerken Blech, Holz, Schlagzeug, Streicher, Continuo; bei instrumentalen Solowerken Bläser, Solo, Streicher, Continuo; bei gemischter Besetzung Bläser, Gesangsoli, Chor, Streicher, Continuo usw. Bei mehrchörigen Werken älterer Fraktur werden die Chöre nach ihren Ziffern oder ihrer Höhenlage angeordnet und bleiben in sich geschlossen, auch wenn einzelne Stimmen aus ihnen solistisch hervortreten. - TEXT
Sämtliche wiedergegebene Texte folgen in Orthographie und Interpunktion der Quelle. Zur Unterscheidung der originalen Textbestandteile von Ergänzungen des Herausgebers dienen zwei Schriftarten: Geraddruck für originalen Text und Kursivdruck für Zusätze. Durch Idem-Zeichen im Original geforderte Textwiederholungen erscheinen in der Ausgabe im Kursivdruck. - SATZÜBERSCHRIFTEN
Auch die Satzüberschriften folgen in der Orthographie und Interpunktion der Quelle. Zusätze werden durch Kursivdruck bzw. eckige Klammern kenntlich gemacht.
II. Der Kritische Bericht
- ANORDNUNG
In der Regel enthält der Kritische Bericht folgende Abschnitte:- Die Ouelle(n) (Beschreibung, Bewertung)
-
Allgemeines
(z. B. Rückschlüsse aus dem Quellenmaterial auf die Entstehungszeit) - Die Wiedergabe der Quelle
- Spezielle Anmerkungen (Einzelheiten zur Textkritik)
- DIE QUELLE(N)
Unter I. werden zunächst die Quellen aufgezählt und beschrieben. Die Ausführlichkeit der Beschreibung richtet sich nach der Bewertung der Quellen, die in einem gesonderten Abschnitt im Anschluß and die Quellenbeschreibung begründet wird. Bei der Aufzählung der Quellen wird Vollständigkeit angestrebt. Als Redaktionsvorlagen werden in erster Linie die Originale und die naheliegenden Abschriften herangezogen. Fernerliegende Abschriften werden nur hinsichtlich ihres Abhängigkeitsverhältnisses charakterisiert. Bei der Redaktion werden sie nicht berücksichtigt. Die Quellen werden in jedem Werk mit großen lateinischen Buchstaben bezeichnet, nach denen sie im folgenden zitiert werden. Die Bibliotheken werden an dieser Stelle mit ihrer vollen Bezeichnung genannt. In der Quellenbeschreibung wird in der Regel das Blattformat der Quelle mitgeteilt und zwar in der Reihenfolge Höhe mal Breite in cm. - ALLGEMEINES
In diesem Abschnitt werden z. B. Neufeststellungen, die sich aus der Quellenuntersuchung ergeben, bekannt gegeben. Ferner werden etwa vorhandene Urformen oder Parodien des Werkes genannt und ihr Text, soweit erforderlich, abgedruckt. Unter Umständen gelangen auch wissenschaftliche Erörterungen zur Veröffentlichung. - DIE WIEDERGABE DER
QUELLE
Jede Ausgabe der Musikdenkmäler der Frühen Neuzeit enthält eine modifizierte Fassung des ersten Teiles der Editionsrichtlinien, der bandspezifisch auf die editionstechnischen Besonderheiten hinweist. - SPEZIELLE
ANMERKUNGEN
In diesem Abschnitt werden schließlich die einzelnen Notentextabweichungen tabellarisch aufgeführt.
(Edition Musica Poetica Basel, Sankt Peter-Ording · Dezember 2008)
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